Grensing

Business Technology Consulting GmbH

Wenn SAP-Projekte scheitern

2017-02-15

Eine Situation, die eigentlich niemand möchte: ein SAP-Projekt scheitert. Nicht immer so spektakulär, dass von einem Tag auf den anderen alle Berater nach Hause geschickt werden.

Manchmal scheitern sie nur ein bisschen, in dem sich ein go-live verzögert.

Manche scheitern ganz leise, in dem das Ergebnis einfach nicht den Nutzen bringt, der erwartet wurde.

Manche scheitern auch, bevor sie angefangen haben:

Vor ein paar Tagen erhielt ich eine Projektanfrage für ein Großprojekt. Gesucht wurde ein funktionaler Modulexperte für ein bestimmtes SAP-Modul. Hauptsächliche Arbeitsaufgabe: Koordination der Implementierungspartner.

Ich kann es mir bildlich vorstellen, wie Horden von Programmierern mit den Hufen scharren und auf ihren großen Einsatz warten. Wie Partner großer und nicht so großer Beratungsfirmen mit ernstem Gesicht ihre Umsatzziele verteidigen und dem Kunden bestätigen, wie richtig sein eingeschlagener Weg ist.

Wir erinnern uns: SAP ist Standardsoftware. Das Modul, von dem hier die Rede war, braucht keine "mehrere Implementierungspartner." Die Implementierung selbst - in Form der Modulkonfiguration - ist von einem bis mehreren Beratern in ein paar Tagen erledigt. WENN:

  • die Vorarbeit geleistet wurde. Dafür braucht man in einem Großprojekt viele Leute. Keine Programmierer. Keine Implementierungspartner, sondern erfahrene Prozess-Spezialisten, die die Software kennen und ein der Lage sind, mit dem Business, mit den Anwendern den zukünftigen Prozess zukunftssicher zu definieren.

  • die Nacharbeit geleistet wird. Dafür braucht man in einem Großprojekt viele Leute. Keine Programmierer. Keine Implementierungspartner, sondern business-erfahrene Tester, Stammdaten-Spezialisten, Migrationsexperten, Berechtigungsexperten, Trainer, etc.

Natürlich, wir haben alle die Projekte in den neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts erlebt, wo 400 Berater in einem Raum gesperrt wurden, in der Hoffnung, dass einer von denen - als Beweis der Theorie, dass bei unendlich viele Affen an Schreibmaschinen auch einer alle Werke Shakespeares schreibt - durch Zufall herausbekommt, was einen Positionstypen von einer Bedarfsklasse unterscheidet und wozu man eine Materialart braucht. (Übrigens auch in Zeiten von S/4-HANA noch ein sehr wertvoller Erkenntnisschatz!)

Aber 2017 sind wir eigentlich weiter. Oder sollten es zumindest sein.

Da sollte kein SAP-Projekt mehr scheitern müssen.